Integrierte Gemeinde Was ist das?
Die Integrierte Gemeinde ist eine apostolische Gemeinschaft von Laien (Verheiratete und Unverheiratete) und Priestern im Sinne des II. Vatikanischen Konzils. Sie ist dem jeweiligen Ortsbischof und der Ortskirche zugeordnet. Sie nimmt teil an der Verkündigung des Bischofs.
Derzeit lebt und arbeitet sie in den Diözesen München und Freising, Paderborn, Augsburg, Rottenburg-Stuttgart, Morogoro/Tansania, Wien und Rom. Eine Gemeinde in Ungarn ist in Vorbereitung. Die kirchliche Anerkennung erfolgte 1978. Für die Priester im Dienst an Integrierten Gemeinden errichtete der Paderborner Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt 1982 eine mit der Integrierten Gemeinde verbundene Priestergemeinschaft.


Wie hat es angefangen?

Die Integrierte Gemeinde ist nach einer Vorgeschichte von über zwanzig Jahren 1968 in München entstanden. Der Ausgangspunkt waren Fragen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg stellten: Was fehlt unserer Kirche, wenn trotz der vielen Millionen Getaufter in Europa in diesem Jahrhundert Christen zwei Weltkriege gegeneinander führten; wenn trotz so vieler getaufter Christen die seit über hundert Jahren aufge-brochene soziale Frage nicht gelöst werden konnte, so dass todbringende Diktaturen und Ideologien wie Kommunismus und Nationalsozialismus entstehen und herrschend werden konnten? Was ist unserer Kirche verloren gegangen, dass ihre Gläubigen den Mord an den Juden im Dritten Reich nicht verhindern konnten?

Das "Spatzenhäusel" in Urfeld am Walchensee. Dort feierte die Gemeinde ihre ersten gemeinsamen Osterfeste.

Die Integrierte Gemeinde ist der Versuch einer gelebten Antwort auf diese bohrenden Fragen. Ihre Begründer waren während der Zeit des National-sozialismus Mitglieder der teilweise verbotenen katholischen bündischen Jugend. Nach dem Krieg fanden sie den Mut, einen neuen Weg zu wagen:
Innerhalb der katholischen Kirche, aber nicht in den herkömmlichen Seelsorge- und Verwaltungsstrukturen begannen sie, einen eigenständigen neuen Anfang zu suchen.


Die Herzog-Heinrich-Straße 18 in München, das erste Integrationshaus der Katholischen Integrierten Gemeinde
Was heißt integriert?

Der Neuanfang war getragen von der gemeinsamen Feier der kirchlichen Hochfeste, vor allem des Osterfestes. Dabei wurde der Gruppe immer klarer, dass die gemeinsame Feier der Feste nach einer Gemeinsamkeit auch im Alltag verlangt. Musste die am Fest begangene und erfahrene Gemeinschaft nicht auch das tägliche Leben erfassen und prägen? Wie aber konnte das aussehen für Personen, die nicht als ehelose Frauen und Männer im Kloster lebten, sondern mit den verschiedensten bürgerlichen Verpflichtungen mitten in der Welt? So begannen einige, ihr Leben miteinander zu verknüpfen, z. B. eine gemeinsame Kinderbetreuung aufzubauen, zusammen zu wohnen oder auf wirtschaftlichem Gebiet gemeinsam initiativ zu werden. Auf diesen Vorgang der gegenseitigen Verflechtung des Lebens in allen Bereichen bezieht sich das Fremdwort integriert. Es meint die Verbundenheit aller Gemeindemitglieder untereinander zum Leib Christi, wie Paulus das neue Miteinander der Getauften nennt.


Was ist neu an dieser Lebensform?

Diese Lebensform ermöglicht auch Menschen mit Familie und Beruf, den Verkündigungsauftrag Jesu zusammen mit den Priestern in einer ganzheitlichen Form wahrzunehmen. Dies wird möglich durch die gegenseitige Unterstützung und Hilfe aller, auch bei der Bewältigung des täglichen Lebens.
Die Verschiedenheit der Lebenssituationen und Möglichkeiten der einzelnen Personen bringt es mit sich, dass auch die Zugehörigkeit zur Gemeinde ganz verschiedene Formen annehmen kann.
Auch innerhalb dieser neu sich entwickelnden Lebensform, die sich im Laufe von Jahrzehnten immer weiter ausgebildet hat, bleibt jeder verantwortlich für seine eigenen Finanz- und Vermögensbelange, stellt aber alles, was er erübrigen kann, in Absprache mit der Gemeinde für die missionarischen Aufgaben zur Verfügung (z. B. für die Gemeinde in Tansania).


Welche Aufgabe hat eine solche Gemeinde?

Nach ihren Statuten versucht die Integrierte Gemeinde, in einer der Kirche entfremdeten Welt das Evangelium in einer solchen Gestalt gegenwärtig zu machen, dass auch Fernstehende wieder einen Zugang zum Glauben der katholischen Kirche finden können.
Dementsprechend könnte man auch formulieren: Die Integrierte Gemeinde ist ein gelebtes Beispiel für die Erneuerung der Kirche, für ihre Kraft, Menschen aus der Zerstreuung und Spaltung zu sammeln und sie die verwandelnde und erlösende Wirkung der Sakramente erfahren zu lassen. Zur Gemeinde sammeln ließen sich Familien und Ledige, Priester und Laien, Personen verschiedenster gesellschaftlicher Schichten, Nationalitäten und Konfessionen.


Was bewegt die Integrierte Gemeinde?

Nicht menschliches Planen und Können hat sie hervorgebracht, sondern der der Kirche zugesagte Geist Gottes hat etwas Neues in Bewegung gebracht für unsere Zeit. Zusammen mit zahlreichen Freunden, Mitarbeitern und Helfern hofft die Integrierte Gemeinde, dass in unserer zunehmend nicht mehr christlich geprägten Welt des beginnenden dritten Jahrtausends die Vision des einen, internationalen Volkes Gottes noch einmal eine neue Gestalt und Strahlkraft gewinnt, um das Gesicht der Kirche und der Erde zu erneuern.

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